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Wettarten · Über/Unter

Die Über/Unter-Wette: Torlinien, Rückzahlung und die ganze Rechnung

Nicht der Sieger, sondern die Summe: Über/Unter wertet das Spiel gegen eine Zahl.

Kurz gerechnet

Bei der Linie 2,5 trifft „Über“ ab drei Toren und „Unter“ bei null bis zwei – eine Rückzahlung ist unmöglich, weil Tore ganzzahlig fallen. Aus 1,88 und 1,92 ergibt sich eine Marge von 5,3 %.

Die Mechanik: eine Zahl statt eines Siegers

Über/Unter fragt nicht, wer gewinnt, sondern wie viele Tore fallen. Addiert werden die Treffer beider Mannschaften, und das Ergebnis wird gegen eine Linie gestellt. Bei der Linie 2,5 gewinnt „Über“ ab drei Toren; „Unter“ gewinnt bei null, einem oder zwei Toren. Ein 2:1 ist damit ein Treffer für „Über“ – ebenso wie ein 0:3.

Der Markt hat zwei Ausgänge und deckt mit ihnen alle Ergebnisse ab. Das macht ihn zum einfachsten Fall für eine Margenrechnung: zwei Kehrwerte, eine Summe, ein Aufschlag.

1 / 1,88 = 53,2 %Über 2,5

1 / 1,92 = 52,1 %Unter 2,5

Summe105,3 %Marge 5,3 %

Die gängigen Linien und ihre Deckung

Je höher die Linie, desto mehr Tore verlangt „Über“. Ganzzahlige Linien führen eine dritte Möglichkeit ein: das Ergebnis liegt genau auf der Linie, der Einsatz wird zurückgezahlt.

Torlinien im Fußball und ihre Abrechnung
LinieÜber trifftUnter trifftRückzahlung
0,50ab 1 Tor0 Torenicht möglich
1,50ab 2 Toren0–1 Torenicht möglich
2,00ab 3 Toren0–1 Torebei genau 2 Toren
2,50ab 3 Toren0–2 Torenicht möglich
3,00ab 4 Toren0–2 Torebei genau 3 Toren
3,50ab 4 Toren0–3 Torenicht möglich

Die Linie selbst ist eine Aussage über die erwartete Torverteilung. Liegt sie bei 2,5 und sind beide Quoten nahezu gleich, hält der Anbieter drei oder mehr Tore für etwa so wahrscheinlich wie null bis zwei. Verschieben sich die Quoten deutlich, verschiebt sich diese Einschätzung – die Linie bleibt, der Preis ändert sich.

In manchen Programmen finden sich zusätzlich Viertel-Linien wie 2,25, bei denen der Einsatz auf zwei benachbarte Linien aufgeteilt wird. Die Abrechnung ist dann eine Mischung aus beiden, und ein Teil des Einsatzes kann zurückgezahlt werden, während der andere gewinnt oder verliert.

Die Rechenlogik lässt sich an zwei Endständen prüfen. Bei einem 1:1 – zwei Toren – ist die Wette „Über 2,5“ verloren, während „Über 2“ zurückgezahlt würde. Der Unterschied liegt allein in der halben Stelle der Linie.

Ein Beispiel vollständig gerechnet

10,00 € auf jede Seite der Linie 2,5
AuswahlQuoteBruttoauszahlungGewinnImplizit
Über 2,5 Tore1,8818,80 €8,80 €53,2 %
Unter 2,5 Tore1,9219,20 €9,20 €52,1 %

Zur Kontrolle zwei ausgewertete Endstände: ein 2:1 ergibt drei Tore, also einen Treffer für „Über 2,5“. Ein 1:1 ergibt zwei Tore, also keinen Treffer – bei der ganzzahligen Linie 2 wäre derselbe Endstand dagegen eine Rückzahlung.

Wie aus einer Torerwartung ein Preis für die Linie wird

Hinter jeder Torlinie steht eine Annahme darüber, wie viele Tore im Mittel fallen. Der einfachste Weg von dieser Annahme zu einer Wahrscheinlichkeit ist die Poisson-Verteilung, die der Statistiker M. J. Maher schon 1982 in der Zeitschrift Statistica Neerlandica auf Fußballergebnisse angewandt hat. Sie behandelt Tore als seltene, voneinander unabhängige Ereignisse und braucht nur eine einzige Zahl: die erwartete Torsumme der Partie.

Für die Linie 2,5 genügt eine Formel. Die Wahrscheinlichkeit für höchstens zwei Tore ist e hoch minus λ mal (1 + λ + λ² ÷ 2), wobei λ die Torerwartung ist; „Über“ ist der Rest bis 100 Prozent. Die Tabelle rechnet das für drei Erwartungswerte durch und stellt die faire Quote daneben, also den Kehrwert ohne jeden Aufschlag.

Linie 2,5 aus der Torerwartung, Poisson-Verteilung, ohne Marge
Erwartete ToreÜber 2,5Faire Quote ÜberUnter 2,5Faire Quote Unter
2,340,4 %2,4859,6 %1,68
2,750,6 %1,9749,4 %2,03
3,159,9 %1,6740,1 %2,49

Die Beispielquoten dieser Seite, 1,88 und 1,92, liegen nahe an der mittleren Zeile. Wer sie mit einer eigenen Torerwartung vergleichen will, rechnet sie deshalb am besten in diese Richtung um: Welche Erwartung steckt in der angebotenen Quote, und hält man selbst mehr oder weniger Tore für plausibel? Bemerkenswert ist, wie empfindlich die Linie reagiert. Schon 0,4 Tore mehr oder weniger Erwartung verschieben die Wahrscheinlichkeit um rund zehn Prozentpunkte.

Mit derselben Formel lässt sich auch die niedrigste Linie prüfen. Die Wahrscheinlichkeit, dass gar kein Tor fällt, ist schlicht e hoch minus λ: bei einer Erwartung von 2,7 Toren 6,7 %. „Unter 0,5“ ist damit eine Wette auf ein Ereignis, das etwa jedes fünfzehnte Spiel dieser Art betrifft, und eine faire Quote läge um 14,88.

Das Modell hat eine bekannte Schwäche, und sie betrifft gerade die Linie 2,5: Es unterschätzt torarme Unentschieden wie 0:0 und 1:1. Mark Dixon und Stuart Coles haben dafür 1997 eine Korrektur vorgeschlagen, die bis heute die Grundlage vieler Ergebnismodelle ist. Für eine Überschlagsrechnung reicht die einfache Form trotzdem.

Abrechnungsregeln, die den Unterschied machen

  • Spielzeit. Standard ist die reguläre Spielzeit mit Nachspielzeit. Verlängerung zählt nur in Märkten, die das ausdrücklich nennen.
  • Eigentore. Zählen wie jedes andere Tor, weil nur die Gesamtsumme gewertet wird.
  • Halbzeitmärkte. „Über 1,5 Tore in Halbzeit 1“ ist ein eigener Markt mit eigener Quote; die Summe der zweiten Hälfte bleibt außen vor.
  • Abbruch. Wird die Partie nicht regulär beendet, entscheidet die Regel des Anbieters – üblich ist die Rückabwicklung, sofern kein Ergebnis mehr entstehen kann.

Wer eine Über/Unter-Wette plant, prüft deshalb zwei Angaben: die Linie und den Zeitraum. Beide stehen in der Marktbezeichnung, und beide verändern die Deckung erheblich.

Häufige Fragen

Was bedeutet Über/Unter 2,5 Tore?

Gewertet wird die Summe der Tore beider Mannschaften. „Über 2,5“ trifft ab drei Toren, „Unter 2,5“ bei null, einem oder zwei Toren. Wer gewinnt, ist ohne Bedeutung – auch ein 3:0 und ein 0:3 zählen gleich.

Warum enden die Linien auf 0,5?

Weil Tore ganzzahlig fallen und eine halbe Linie deshalb nicht getroffen werden kann. Jedes Ergebnis liegt eindeutig über oder unter der Linie, eine Rückzahlung ist ausgeschlossen. Genau das ist der Zweck der halben Linie.

Was passiert bei einer ganzzahligen Linie?

Dann kann das Ergebnis genau auf der Linie liegen. Bei der Linie 2 und einem 1:1 wird der Einsatz zurückgezahlt, weil weder Über noch Unter trifft. Diese Rückzahlung heißt Push und ist der wesentliche Unterschied zwischen ganzen und halben Linien.

Zählen Eigentore und Nachspielzeit mit?

Eigentore zählen wie jedes andere Tor, und die Nachspielzeit gehört zur regulären Spielzeit. Nicht mitgezählt werden Tore in einer Verlängerung oder im Elfmeterschießen, sofern der Markt sie nicht ausdrücklich einschließt.

Wie hoch ist die Marge bei Über/Unter?

Im Beispiel dieser Seite 5,3 %: aus den Quoten 1,88 und 1,92 ergibt sich eine Summe der impliziten Wahrscheinlichkeiten von 105,3 %. Märkte mit zwei Ausgängen tragen oft eine niedrigere Marge als Dreiweg-Märkte, weil sich der Aufschlag auf weniger Quoten verteilt.

Gibt es Über/Unter auch für andere Größen?

Ja, das Prinzip ist auf jede zählbare Größe anwendbar – Ecken, Karten, Sätze, Punkte. Die Abrechnungsregel bleibt dieselbe: halbe Linie ohne Rückzahlung, ganze Linie mit möglicher Rückzahlung. Welche dieser Märkte ein Anbieter führen darf, hängt von der behördlichen Erlaubnis nach Art und Zuschnitt ab.