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Sportarten · Tennis

Tenniswetten: Märkte eines Matches, ihre Quoten und die Rechnung

Zwei Ausgänge statt drei – im Tennis verschiebt sich damit die gesamte Margenstruktur eines Wettmarktes.

Kurz gerechnet

Ein Siegermarkt mit den Quoten 1,55 und 2,45 trägt eine Marge von 5,3 %. Weil es kein Unentschieden gibt, verteilt sich der Aufschlag auf nur zwei Quoten – der strukturelle Unterschied zum Fußball.

Die Märkte eines Tennismatches

Tenniswetten sind für die Rechnung ein einfacherer Fall als Fußballwetten, weil der Hauptmarkt nur zwei Ausgänge kennt. Eine Begegnung endet regulär mit einem Sieger; ein Unentschieden existiert nicht. Daraus folgen drei Marktfamilien, die sich alle auf dieselbe Weise nachrechnen lassen.

  • Sieger der Begegnung. Zwei Ausgänge, zwei Quoten. Der Markt mit der niedrigsten Marge in den meisten Programmen.
  • Exakte Satzverteilung. Bei Matches über drei Sätze vier Ausgänge, bei fünf Sätzen sechs. Höhere Quoten, engere Bedingung.
  • Linien auf Sätze oder Spiele. Über/Unter auf die Gesamtzahl, und Handicaps mit halber Linie, bei denen eine Rückzahlung entfällt.
Beispielmatch mit erfundenen Quoten, zwei Gewinnsätze
MarktAuswahlQuoteImplizitAuszahlung bei 10,00 €
SiegerFavorit1,5564,5 %15,50 €
SiegerAußenseiter2,4540,8 %24,50 €
Spiele im MatchÜber 22,51,8554,1 %18,50 €
Spiele im MatchUnter 22,51,9551,3 %19,50 €

Die Marge eines Zweiweg-Marktes

Bei zwei Ausgängen ist die Rechnung in zwei Zeilen erledigt: zwei Kehrwerte addieren, 100 Prozent abziehen.

1 / 1,55 + 1 / 2,45=105,3 %Summe

Marge5,3 %Aufschlag des Marktes

Eine Besonderheit des Tennis wirkt auf Linienmärkte stärker als auf den Siegermarkt: der Aufschlagvorteil. Halten beide Seiten ihre Aufschlagspiele, endet ein Satz häufig 6:4 oder im Tiebreak, und die Zahl der Spiele bleibt hoch. Bricht eine Seite mehrfach durch, fällt sie schnell. Eine Spiele-Linie ist deshalb weniger eine Wette auf Stärke als eine auf Ausgeglichenheit.

Dieselbe Rechnung auf den Spiele-Markt angewandt ergibt 5,3 %. Der Vergleich zweier Märkte derselben Begegnung ist damit möglich, ohne über den Ausgang zu spekulieren – und er ist der einzige Vergleich, der ohne Prognose auskommt.

Satzverteilung: vier Ausgänge, vier Quoten

Bei einem Match über zwei Gewinnsätze gibt es vier mögliche Satzverläufe. Der Markt ist damit vollständig, und die Summe der impliziten Wahrscheinlichkeiten zeigt wieder den Aufschlag.

Exakte Satzverteilung, erfundene Quoten
VerlaufQuoteImplizit
2:0 für den Favoriten2,1047,6 %
2:1 für den Favoriten3,6027,8 %
1:2 für den Außenseiter4,2023,8 %
0:2 für den Außenseiter5,5018,2 %

Die Summe beträgt 117,4 %, die Marge also 17,4 %. Dass ein Markt mit mehr Ausgängen einen höheren Aufschlag trägt, ist die Regel und kein Sonderfall – nachprüfbar mit derselben Addition im Quotenrechner.

Drei oder fünf Sätze: dieselbe Linie, ein anderes Match

Das Beispiel oben rechnet mit zwei Gewinnsätzen, und so wird der größte Teil aller Profimatches gespielt, bei den Frauen ausnahmslos. Die Ausnahme sind die Herreneinzel der vier Grand-Slam-Turniere – Australian Open, French Open in Roland Garros, Wimbledon und US Open. Dort braucht es drei Gewinnsätze. Seit 2022 endet bei allen vier Turnieren auch der Entscheidungssatz beim Stand von 6:6 mit einem Tiebreak bis zehn Punkte; Marathonsätze wie früher in Wimbledon gibt es seitdem nicht mehr.

Was das Format an den Märkten eines Einzels verändert
FormatSatzausgängeWenigste SpieleMeiste Spiele
Zwei Gewinnsätze41239
Drei Gewinnsätze61865

Die Spannweite der Spiele wächst von 12 bis 39 auf 18 bis 65, weil der Tiebreak als eigenes Spiel zählt und ein Satz damit höchstens 13 Spiele hat. Eine Spiele-Linie von 22,5 ist bei zwei Gewinnsätzen eine Wette auf einen umkämpften dritten Satz. Bei drei Gewinnsätzen wäre sie schon nach einem glatten 6:3, 6:4, 6:4 übertroffen. Wer eine Linie liest, muss deshalb zuerst wissen, in welchem Turnier gespielt wird.

Im Doppel der Profitour kommt ein drittes Format hinzu. Steht es dort nach Sätzen 1:1, wird der dritte Satz durch einen Match-Tiebreak bis zehn Punkte ersetzt. Für eine Spiele-Linie zählt er als ein einziges Spiel, obwohl er so lange dauern kann wie drei.

Das längere Format stärkt außerdem den Favoriten. Gewinnt eine Seite jeden Satz mit 60 %, gewinnt sie ein Match über zwei Gewinnsätze mit 64,8 %, über drei mit 68,3 %. Der Unterschied ist kleiner, als viele erwarten, zeigt sich aber in den Quoten: Bei Grand-Slam-Turnieren steigen die Quoten auf den Außenseiter, ohne dass sich an seiner Stärke etwas geändert hätte.

Regelwerke, die im Tennis besonders zählen

Im Tennis entscheidet das Regelwerk häufiger über die Abrechnung als in Mannschaftssportarten, weil Matches abgebrochen oder nicht angetreten werden können. Zwei Punkte sind dafür maßgeblich, und beide stehen in der Marktbeschreibung des Anbieters, nicht im Gesetz.

  • Aufgabe während des Matches. Verbreitet sind zwei Regeln: Rückzahlung aller Wetten oder Wertung für den Spieler, der weiterkommt. Welche gilt, ist anbieterabhängig.
  • Nichtantritt. Wird ein Match nicht begonnen, werden Wetten üblicherweise zurückgerechnet. Bei Linienmärkten auf Spiele oder Sätze gilt das auch dann, wenn die Linie theoretisch schon erreicht wäre.
  • Verkürzte Formate. Matches mit Match-Tiebreak statt dritten Satzes verändern die Verteilung der Satzausgänge erheblich; die Marktbeschreibung nennt das Format.
Zu den Zahlen

Alle Quoten auf dieser Seite sind erfunden und dienen dem Rechenweg. Diese Seite veröffentlicht keine Angebote und keine Quotenlisten; sie zeigt das Verfahren, mit dem sich beliebige Quoten in Wahrscheinlichkeit, Marge und Auszahlung übersetzen lassen.

Häufige Fragen

Welche Märkte gibt es bei Tenniswetten?

Der Hauptmarkt ist der Sieger der Begegnung – ein Markt mit zwei Ausgängen, weil es im Tennis regulär kein Unentschieden gibt. Dazu kommen die exakte Satzverteilung, Über/Unter auf die Zahl der Sätze oder Spiele und Handicaps auf Sätze oder Spiele.

Warum gibt es bei Tenniswetten keine Doppelte Chance?

Weil sie keinen Gegenstand hätte. Die Doppelte Chance deckt zwei von drei Ausgängen ab und setzt damit ein mögliches Unentschieden voraus. Im Tennis steht am Ende immer ein Sieger, der Markt hat nur zwei Ausgänge – eine Absicherung gegen ein Remis ist nicht nötig.

Wie hoch ist die Marge bei Zweiweg-Märkten?

Sie ist typischerweise niedriger als bei Dreiweg-Märkten, weil sich der Aufschlag auf zwei Quoten verteilt. Im Beispiel dieser Seite trägt der Siegermarkt 5,3 % und der Spiele-Markt 5,3 %.

Was passiert bei einer Aufgabe während des Matches?

Das hängt vom Regelwerk des jeweiligen Anbieters ab. Verbreitet sind zwei Varianten: Wetten werden ungültig und der Einsatz zurückgezahlt, oder es zählt der Spieler, der in die nächste Runde einzieht. Weil beide Varianten vorkommen, ist die Regel vor dem Platzieren in der Marktbeschreibung zu lesen.

Wie wirkt sich ein Satz-Handicap aus?

Es verschiebt den Satzstand vor der Auswertung. Bei einem Handicap von −1,5 Sätzen muss die begünstigte Spielerin oder der Spieler 2:0 gewinnen; ein 2:1 reicht nicht. Weil halbe Linien nicht getroffen werden können, entfällt eine Rückzahlung.

Warum schwanken Tennisquoten stärker als im Fußball?

Weil ein Match aus vielen kleinen Entscheidungen besteht und ein einzelner Spieler das Ergebnis stärker trägt als eine Mannschaft. Für die Rechnung ändert das nichts: eine Quote bleibt der Kehrwert einer Wahrscheinlichkeit plus Aufschlag – und dieser Aufschlag ist die einzige Größe, die sich objektiv vergleichen lässt.