Wettarten und Wettmärkte
Wettarten bei Sportwetten: Übersicht aller Wettmärkte, jede erklärt
Wettarten bei Sportwetten sind vier Grundwetten, zwei Verknüpfungen und eine Rechnung, die sich in allen wiederholt: Quote, Wahrscheinlichkeit, Auszahlung.
Eine Dezimalquote von 2,05 entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 48,8 % – der Kehrwert der Quote. Jede Wettart verschiebt nur, wie viele Ergebnisse als Treffer gelten; die Rechnung Einsatz × Quote bleibt gleich.
Übersicht: welche Wettarten es gibt
Welche Wettarten gibt es, und worin unterscheiden sie sich tatsächlich? Nicht in der Sportart und nicht im Anbieter, sondern in einer einzigen Größe: wie viele der möglichen Endergebnisse als Treffer gelten. Das 1X2 lässt genau einen von drei Ausgängen zu, die Doppelte Chance zwei von drei, Über/Unter teilt alle Endstände an einer Torlinie, das Handicap verschiebt die Linie vor der Auswertung. Je mehr Ergebnisse abgedeckt sind, desto niedriger die Quote – und umgekehrt.
Welche Wettarten gibt es also konkret? Die folgende Übersicht nennt für jede Wettart die Deckung und die Quoten einer erfundenen Beispielpartie und ist damit in einer Tabelle erklärt. Die Zahlen dienen dem Rechenweg; sie sind kein Angebot und stammen von keinem Anbieter.
| Wettart | Was als Treffer gilt | Beispielquote | Implizite Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|
| 1X2 (Dreiweg) | Heimsieg, Unentschieden oder Auswärtssieg – genau ein Ausgang trifft zu | 2,05 / 3,40 / 3,50 | 48,8 / 29,4 / 28,6 % |
| Doppelte Chance | Zwei der drei Ausgänge in einem Schein: 1X, X2 oder 12 | 1,28 / 1,72 / 1,29 | 78,1 / 58,1 / 77,5 % |
| Über/Unter 2,5 Tore | Gesamttore beider Mannschaften über oder unter der Linie | 1,88 / 1,92 | 53,2 / 52,1 % |
| Europäisches Handicap −1 | Dreiweg-Wette auf ein rechnerisch korrigiertes Ergebnis | 3,05 / 3,40 / 2,25 | 32,8 / 29,4 / 44,4 % |
| Kombiwette | Mehrere Wetten in einem Schein, alle müssen aufgehen | 6,72 aus 1,60 × 1,75 × 2,40 | 14,9 % |
| Systemwette | Alle Teilkombinationen einer Auswahl, aufgeteilt auf den Einsatz | je Kombination aus dem Quotenprodukt | abhängig von der Kombinationszahl |
Implizite Wahrscheinlichkeit = 1 geteilt durch die Dezimalquote. Bei der Doppelten Chance und der Kombiwette ist der Wert aus den zugrunde liegenden Quoten abgeleitet.
Die vier Grundwetten, jede Wettart einzeln erklärt
1X2 – der Spielausgang in drei Feldern
Der Markt bildet die drei möglichen Tendenzen ab: 1 für den Heimsieg, X für das Unentschieden, 2 für den Auswärtssieg. Die Ausgänge schließen sich gegenseitig aus und deckten zusammen jeden Endstand ab. Im Beispiel liegt der Heimsieg bei 2,05, das Unentschieden bei 3,40, der Auswärtssieg bei 3,50. Bei 10 € Einsatz auf den Heimsieg beträgt die mögliche Auszahlung 20,50 €, der mögliche Gewinn 10,50 €.
Doppelte Chance – zwei Ausgänge in einem Schein
Die Doppelte Chance fasst zwei der drei Tendenzen zusammen: 1X trifft bei Heimsieg und Unentschieden, X2 bei Unentschieden und Auswärtssieg, 12 bei jedem Sieger, aber nicht beim Unentschieden. Im Beispiel kostet diese Absicherung Quote: aus 2,05 für den Heimsieg wird 1,28 für 1X. Ausführlich mit allen drei Varianten steht das auf der Seite zur Doppelten Chance.
Über/Unter – die Torlinie statt des Siegers
Hier ist gleichgültig, wer gewinnt. Gewertet wird die Summe der Tore beider Mannschaften gegen eine Linie, im Beispiel 2,5 Tore: Über trifft ab drei Toren, Unter bei null bis zwei. Eine halbe Linie kann nicht getroffen werden, deshalb gibt es keine Rückzahlung. Bei ganzzahliger Linie ist das anders – siehe Über/Unter im Detail.
Handicap – die Wette auf ein korrigiertes Ergebnis
Beim europäischen Handicap −1 startet der Favorit rechnerisch mit 0:1, und auf dieses korrigierte Ergebnis wird wieder 1X2 gespielt. Ein 2:0 wird zu 1:0 und gilt als Heimsieg; ein 1:0 wird zu 0:0 und damit zum Unentschieden; jedes Remis und jeder Auswärtssieg zählen für die Gegenseite. Die Beispielquoten 3,05 / 3,40 / 2,25 zeigen die Verschiebung gegenüber dem unkorrigierten Markt. Der Rechenweg samt Ergebnisraster steht unter Handicap.
Wettmärkte und ihre Abrechnung
Damit sind die Grundwetten erklärt – bleibt der Unterschied zwischen Wettart und Wettmarkt. Eine Wettart beschreibt die Logik, ein Wettmarkt die konkrete Frage samt Abrechnungsregel. Dieselbe Logik kann in mehreren Wettmärkten auftreten, die sich in genau einem Detail unterscheiden – und dieses Detail entscheidet über die Auszahlung.
- Zeitraum. Der Standard ist die reguläre Spielzeit einschließlich Nachspielzeit. Halbzeitmärkte und Märkte, die Verlängerung einschließen, sind eigene Wettmärkte mit eigenen Quoten.
- Rückzahlung. Nur dort möglich, wo ein Ergebnis auf der Linie liegen kann: ganzzahlige Über/Unter-Linien und asiatische Handicaps. Bei halben Linien und beim europäischen Handicap entfällt dieser Fall.
- Abbruch und Verlegung. Findet das Ereignis nicht statt, wird der Einsatz nach den Regeln des Anbieters zurückgerechnet. Für die Sportwettensteuer ist dieser Fall ausdrücklich geregelt: ein zurückgezahlter Einsatz mindert die Bemessungsgrundlage.
- Vollständigkeit. In einem sauber definierten Markt ist jeder Endstand genau einem Ausgang zugeordnet. Prüfbar ist das mit der Summe der impliziten Wahrscheinlichkeiten – sie liegt knapp über 100 Prozent, nie darunter.
Wetten auf ein bereits laufendes Sportereignis sind nicht Gegenstand dieser Seite. Alle Beispiele sind Märkte, die vor dem Anpfiff feststehen.
Wettarten im Vergleich: Wahrscheinlichkeit und Marge
Jede Quote enthält zwei Angaben: eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit und den Aufschlag des Anbieters. Trennen lassen sich beide, indem man die impliziten Wahrscheinlichkeiten aller Ausgänge eines Marktes addiert. Der Betrag über 100 Prozent ist die Marge.
1 / 2,05 = 0,488Heimsieg
1 / 3,40 = 0,294Unentschieden
1 / 3,50 = 0,286Auswärtssieg
Summe1,0676Marge 6,76 %
Im Beispiel trägt der 1X2-Markt 6,76 Prozent Marge, der Handicap-Markt 6,64 Prozent und Über/Unter mit nur zwei Ausgängen 5,27 Prozent. Märkte mit weniger Ausgängen sind in dieser Rechnung meist günstiger, weil sich der Aufschlag auf weniger Quoten verteilt. Für eine Auswahl an Wettarten bei Sportwetten ist das die nüchternste Vergleichsgröße, die ohne Prognose auskommt.
| Wettmarkt | Ausgänge | Summe implizit | Marge |
|---|---|---|---|
| 1X2 | 3 | 106,76 % | 6,76 % |
| Europäisches Handicap −1 | 3 | 106,64 % | 6,64 % |
| Über/Unter 2,5 | 2 | 105,27 % | 5,27 % |
Rechenweg zu jeder Zeile: Wettquoten umrechnen im Quotenrechner.
Mehrere Wettarten kombinieren
Zwei Verknüpfungen bauen auf den Grundwetten auf. In der Kombiwette multiplizieren sich die Quoten aller Auswahlen; aus 1,60, 1,75 und 2,40 wird eine Gesamtquote von 6,72, bei 12 € Einsatz also 80,64 € mögliche Auszahlung. Der Schein gewinnt nur, wenn alle drei Tipps aufgehen.
Die Systemwette teilt denselben Einsatz auf Teilkombinationen auf. Bei einer Systemwette 2 aus 3 entstehen drei Zweierkombinationen, jede mit 4 € belegt. Gehen A und B auf und C nicht, zahlt die Kombination AB 11,20 € aus – gegen 12 € Gesamteinsatz bleibt ein Minus von 0,80 €. Eine gewonnene Kombination ist also nicht automatisch ein Gewinn; die vollständige Rechnung steht unter Systemwetten.
Jede zusätzliche Auswahl erhöht die Gesamtquote und senkt die Trefferwahrscheinlichkeit des Scheins. Die Marge des Anbieters wirkt dabei auf jede Teilquote und multipliziert sich mit – bei drei Auswahlen mit je etwa 6 Prozent Marge liegt der Aufschlag des Gesamtscheins deutlich höher als bei einer Einzelwette.
Was von der Auszahlung übrig bleibt
Die Rechnung Einsatz × Quote ergibt die Bruttoauszahlung. Ob der ausgezahlte Betrag ebenso hoch ist, hängt davon ab, wie ein Anbieter die Sportwettensteuer weitergibt. Der gesetzliche Satz beträgt 5,3 Prozent, bemessen auf den Einsatz abzüglich der Steuer selbst; wirtschaftlich sind das rund 5,03 Prozent des gezahlten Einsatzes. Steuerschuldner ist der Veranstalter, nicht der Wettende.
Aus dieser Konstruktion folgen unterschiedliche Rechenwerke: Abzug beim Platzieren, Abzug von der Auszahlung oder Übernahme durch den Anbieter. Bei 10 € auf eine Quote von 2,50 liegt die Auszahlung je Modell zwischen 23,68 € und 25,00 €. Alle vier Beispielmodelle mit Formel und Gesetzesfundstelle stehen auf der Seite zur Wettsteuer.
Häufige Fragen
Welche Wettarten gibt es bei Fußballwetten?
Den Kern bilden vier Wettmärkte: 1X2 auf den Spielausgang, die Doppelte Chance auf zwei der drei Ausgänge, Über/Unter auf die Gesamttorzahl und das Handicap auf ein rechnerisch korrigiertes Ergebnis. Alles Weitere sind Varianten davon oder Verknüpfungen mehrerer Wetten zu einer Kombi- oder Systemwette.
Welche Wettart hat die höchste Trefferwahrscheinlichkeit?
Die Doppelte Chance, weil sie zwei der drei Ausgänge abdeckt. Im Beispiel der Seite liegt 1X bei einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 78,1 Prozent – bezahlt wird das mit einer Quote von 1,28 statt 2,05. Eine höhere Trefferquote ist keine höhere erwartete Auszahlung: beide Zahlen stammen aus derselben Quote.
Was bedeutet die implizite Wahrscheinlichkeit einer Quote?
Sie ist der Kehrwert der Dezimalquote: 1 geteilt durch 2,05 ergibt 0,488, also 48,8 Prozent. Addiert man die impliziten Wahrscheinlichkeiten aller Ausgänge eines Marktes, liegt die Summe über 100 Prozent. Der Überschuss ist die Marge des Anbieters.
Wann wird eine Wette als ungültig gewertet?
Bei Über/Unter kann die Linie genau getroffen werden, wenn sie ganzzahlig ist: bei der Linie 2 und zwei Toren wird der Einsatz zurückgezahlt. Bei der Linie 2,5 ist das ausgeschlossen, weil Tore ganzzahlig fallen. Beim europäischen Handicap mit ganzzahliger Vorgabe gibt es keine Rückzahlung, weil jeder Endstand genau einem der drei Ausgänge zugeordnet ist.
Zählt die Verlängerung bei einer Wette auf den Spielausgang mit?
In den Regelwerken der Anbieter ist der Standard das Ergebnis nach regulärer Spielzeit einschließlich Nachspielzeit. Verlängerung und Elfmeterschießen zählen nur dort, wo der Markt dies ausdrücklich nennt. Vor dem Platzieren lohnt der Blick in die Marktbeschreibung, weil zwei gleich benannte Märkte unterschiedlich abgerechnet werden können.
Was ist der Unterschied zwischen europäischem und asiatischem Handicap?
Das europäische Handicap ist ein Dreiweg-Markt mit ganzzahliger Vorgabe: Sieg, Unentschieden und Niederlage des korrigierten Ergebnisses. Das asiatische Handicap kennt nur zwei Ausgänge; bei ganzzahliger Linie und genau diesem Torunterschied wird der Einsatz zurückgezahlt. Die Rechnung unterscheidet sich also nicht nur in der Quote, sondern in der Zahl der möglichen Ergebnisse.
Ist eine Kombiwette besser als mehrere Einzelwetten?
Sie ist etwas anderes. In der Kombiwette multiplizieren sich die Quoten, aber auch die Fehlerwahrscheinlichkeiten: ein falscher Tipp entwertet den ganzen Schein. Bei mehreren Einzelwetten bleibt jede Wette für sich abrechenbar. Die Systemwette liegt dazwischen, weil sie den Einsatz auf alle Teilkombinationen verteilt.
Welche Wettarten baut diese Seite nicht aus?
Wetten während eines laufenden Sportereignisses sind nicht Gegenstand dieser Seite. Ebenso keine Ereigniswetten außerhalb des Sports. Gerechnet wird ausschließlich mit Märkten, die vor dem Anpfiff feststehen.
